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Jungbrunnen Yoga – ein indisches Geschenk an die westliche Welt-Teil 1

Yoga – ein ganzheitliches Konzept

Foto von Dr. Hager: Krieger 2 (Virabhadrasana)

Wir alle, die wir regelmäßig Yoga betreiben, wissen es längst: Die mehr als 2000 Jahre alte indische Methode (die sogenannten Upanishaden – eine Sammlung philosophischer Schriften – lassen sich auf ca. 200-400 unserer Zeitrechnung zurückführen) hat positive Auswirkungen auf unser Wohlbe-finden und tiefgreifende Effekte auf unsere Gesundheit. 

Ob chronische Rücken- oder Nackenschmerzen, Bluthochdruck, Migräne, Diabetes – Yoga heilt und lindert Schmerzen, reduziert Stress, entgiftet unseren Körper und gibt neue Energie.

So ziemlich alle Teilnehmer der Yoga-Kurse, die ich seit über 25 Jahren besuche, machen die gleichen Erfahrungen wie ich. Nach einer Yoga-Session fühlt man sich befreit von Rücken- und Nacken-schmerzen, ist vital, voller Energie und gut gelaunt. Vernachlässigt man jedoch seine Yogaübungen einige Zeit, so kehren die Verspannungen, Schmerzen und körperliches sowie geistiges Unwohlsein schnell zurück.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zum Thema „Yoga und Gesundheit“ wurden in den letzten 20 Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind beeindruckend. „Yoga führt zu einer ausgeprägten Absenkung des Stresslevels, die Stimmung wurde besser, Angst und Depressionen besserten sich.“ Aber nicht nur das: „Bei vielen Probantinnen reduzierten sich Kopf- und Rückenschmerzen, und zwar drastisch“, so die Ausführungen von Prof. Andreas Michalsen in seinem Buch: Heilen mit der Kraft der Natur auf Seite 206.

Foto von Dr. Hager: Āsana von Hanna Gorges

Was macht Yoga so besonders?

  • Es dehnt und mobilisiert die Wirbelsäule. Zahlreiche Muskeln werden trainiert, Gelenke werden beweglicher, verklebte Faszien werden repariert. Beim Yoga wird der gesamte Körper achtsam, abwechslungsreich und gründlich gedehnt, wie bei keiner anderen Art der Bewegung. Yoga ist u.a. ein perfektes Faszien-Training, insbesondere das Yin Yoga. Durch die Mischung aus Strecken, Dehnen und Entspannen lockert Yoga das Bindegewebe.
  • Yoga stärkt die Muskulatur, indem viele Übungen (Āsana) das eigene Körpergewicht nutzen. Wer schon mal ein, zwei Minuten im Krieger 3 verbracht hat, weiß, wie schwer die eigenen Körperteile werden können.
  • Yoga führt zu mehr Energie und weniger Stress, d. h. zu einer tiefen Entspannung. Die Āsana stehen immer in Verbindung mit einer sorgfältigen Atmung (Prāṇāyāma). So wird die Ausschüttung von Cortisol gehemmt, was den Körper entspannt und regeneriert. Gleichzeitig stärkt Yoga das Herz, regt den Blutkreislauf an und erhöht die Konzentrations-fähigkeit des Gehirns, was ganz wesentlich mit der Atmung im Yoga zusammenhängt. Durch Prāṇāyāma wird den Muskeln und Organen verstärkt Blut und Sauerstoff zugefügt, der unter anderem auch unsere Gehirnleistung aktiviert. Man fühlt sich voller Energie und fitter. Durch die Aktivierung des Parasympathikus – Teil des vegetativen Nervensystems, der die für Aufbau und Regeneration des Gewebes notwendigen Körperfunktionen steuert und dabei besonders die Funktionen des Körpers in Ruhe fördert – kommt der Körper durch eine verlangsamte Ausatmung gegenüber der Einatmung zur Ruhe.
  • Yoga entgiftet die Organe und hat eine Detox-Wirkung. Wenn sich durch falsche Ernährung zu viel Stress, zu wenig Schlaf u.a.m. zu viele Giftstoffe, zu viel Schlacke und Säure in unserem Körper bilden, reagiert er eventuell mit Blähungen, Haarausfall, brüchigen Nägeln, Kopfschmerzen, chronischen Verspannungen, Rheuma, Arthrose, Bluthochdruck oder Depressionen. Auch hier kann Yoga helfen. Vor allem Drehhaltungen, wie Dreieck oder Drehsitz entgiften unsere Organe, in dem sie Darm-, Leber- und Nierenfunktion ganz wesentlich aktivieren, wodurch Nahrungsreste, Giftstoffe schneller und gründlicher ausgeschieden werden. (Vgl. K. Großmann)
Foto von Dr. Hager: Āsana von Hanna Gorges

Yoga- ein ganzheitliches Lebenskonzept

Sprechen wir im Westen von Yoga, so denken wir primär an die Körperübungen, den Āsana, der Umgang mit dem Körper. Die klassische Yogalehre besteht jedoch aus 8 Stufen (Aṣṭāṅga), die Yoga zu einem ganzheitlichen Lebenskonzept (eher zu einer Lebensphilosophie) machen.

Die erste Stufe des ganzheitlichen Yogakonzeptes ist (Yama), der Umgang mit der Umwelt, gewissermaßen Richlinien. Sie impliziert die Rücksichtnahme gegenüber anderen Lebewesen, was auch eine vegetarische Ernährung in den Fokus rückt. 

Die zweite Stufe ist der Umgang mit sich selbst (Niyama), die Sauberkeit und Reinheit (Körperhygiene), eine Kultur der Zufriedenheit und Genügsamkeit sowie einen gesunden Lebensstil beinhaltet.

Neben den Āsana, der dritten Stufe, kommen noch die Atem-übungen (Prāṇāyāma, der Umgang mit dem Atem) als wesentlicher Bestandteil und vierte Stufe hinzu! Atemübungen haben einen tiefgreifenden Einfluss auf unser vegetatives Nervensystem, verstärken den Stressabbau und fördern die Entgiftung unseres Körpers. Zum Prāṇāyāma gehören das richtige Ausatmen, Luftanhalten mit leeren Lungen, Einatmen und Luftanhalten mit gefüllten Lungen oder die  wunderbare Wechselatmung.

Ebenso gehören zu den 8-Stufen noch die fünfte Disziplin: die Beherrschung der Sinneswahrnehmung (Pratyāhāra der Umgang mit den Sinnen), besser wäre eine Zurückziehung der Sinne, das pure Erleben des Ātman. Die sechste Disziplin, die Konzentration auf einen Punkt (Dhāraā), zum Beispiel auf die Atmung, soll dich in der Gegenwart halten.

Die vorletzte Stufe lehrt, das Denken möglichst zum Erliegen/ zur Stille zu bringen. Mittels Meditation (Dhyāna) sind die Aktivitäten des Geistes zu minimieren.

Zum Schluss kommt die höchste Stufe: der Zustand absoluter Glückseligkeit und überbewusste Erfahrungen (Samādhi). Ein Gefühl der Einheit mit allem entsteht.

Alle acht Aspekte sind Empfehlungen und keine Zwänge, nach dem Motto: alles kann, nichts muss! Am Ende soll das Beste für einen selbst, für seine Mitmenschen und die Umwelt herauskommen. Die acht Stufen des Yoga sind also keine starren Regeln. Ehrgeizige Übertreibungen sollen unbedingt vermieden werden. Außerdem bedeutet Yoga einen individuellen, sehr persönlichen und achtsamen Weg zu gehen. Die Möglichkeiten der Entfaltung des Selbst sind, je nach Stil und persönlicher Vorlieben, schier unend-lich. Yoga ist es wert vom Kind bis zum Greis unvoreingenommen ausprobiert zu werden.

Foto von Dr. Hager: Āsana von Hanna Gorges

Ich bedanke mich für die inhaltliche Mitarbeit an diesem Text bei Herrn Hannes Rosen und Herrn Christian Mütze.

Literaturquellen: 

Michalsen, A. (2018) Heilen mit der Kraft der Natur. Insel Verlag 

Großmann, K. (2018) Wirkung von Yoga: 5 Gründe, warum Yoga guttut!

Trökes, A. (2018) Patanjali: Der achtgliedrige Pfad des Yoga.

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