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Kompetenzentwicklung statt Bulimie-Lernen Teil 3

5. Lösungsvorschläge zur Förderung und Entwicklung von Kompetenzen Studierender

Erstens: Wenn man Studierenden neben der Wissensvermittlung auch eine Entwicklung von Kompetenzen ermöglichen will, muss man damit beginnen, es ihnen weitestgehend selbst zu überlassen, wann, wo und mit wem sie studieren und lernen wollen. Dies trägt ganz erheblich dazu bei, die Kernkompetenz „Selbstmanagement“ zu entwickeln, die in allen Unternehmen so sehr benötigt wird. Die Lernplattform der akademischen Einrichtung muss dies zwingend ermöglichen!

Welche e-Learning-Tools sind hierfür zielführend, um Studieren selbstorganisiert, motiviert, eigenverantwortlich und erfolgreich zu ermöglichen?

a) Zuerst sollten Lehrende zum Beginn des Semesters initiieren, einen Anstoß geben! FAQ, immer wiederkehrende Fragen der Studierenden zum Fach, den Prüfungsleistungen, den Studienmaterialien, den Prüfungsinhalten und Informationen zum Dozenten stellt man gleich zu Beginn der Präsenzzeit auf die Lernplattform. Das erspart wertvolle Zeit im Präsenzunterricht, schafft Vertrauen und generiert Glaubwürdigkeit.

b) Studierende, die selbst entscheiden dürfen, wann und wo sie lernen wollen, benötigen Lehrhefte oder Handouts, wo die zu vermittelnden Wissensinhalte ausformuliert dargestellt werden. Alternativ kann die Vorlesung als Video aufgezeichnet werden und den Lernenden in die Lernplattform eingestellt werden. Eine lose Sammlung von Folien mit fragmentarischen Lerninhalten sind für ein qualitativ hochwertiges Selbststudium eher ungeeignet.
Die Handouts sollen die Studierenden zur Durchführung aktivieren, sich auf den Präsenzunterricht besser vorzubereiten, so dass für den Erfahrungsaustausch, für Fallbeispiele und für studentische Aktivitäten mehr Zeit zur Verfügung steht.

c) Um wichtige Lehrinhalte und fächerübergreifende Grundlagen des Moduls durch die Studierenden besser erfahrbar zu machen, stellt man eigene Videos beispielsweise mittels „mysimpleshow“ den Studierenden als e-Learning Tool zur Verfügung. Darüber hinaus helfen sogenannte Experteninterviews mit Praxisunternehmern, die Relevanz der Lehrinhalte den Studierenden für ihre spätere Tätigkeit deutlicher aufzuzeigen. So werden Studierende motiviert.

d) Als Lernselbstkontrolle können neben klassischen Übungsaufgaben oder Tests den Studierenden auch Quizze zur Verfügung gestellt werden, die sie in kleinen Gruppen lösen sollen. Im Präsenzunterricht werden die unterschiedlichen Ergebnisse diskutiert. So erhalten die Studierenden ihr dringend benötigtes Feedback. Letzteres ist für die Generation Z besonders wichtig.

e) Tutorials und Musterklausuren mit Lösungen sind e-Learning Tools, die den Studierenden eine Möglichkeit bieten, nicht nur kurz vor der Prüfung Lerninhalte zu erfassen!
Mit Tutorials ist die heutige Generation Studierender aufgewachsen. Wann immer sie etwas suchen, auf YouTube werden sie fündig. Komplexe und anspruchsvolle Wissensinhalte werden Schritt für Schritt beispielsweise mittels Power Point Folien dargestellt und mit Sprache hinterlegt.
Diese Videos nutzen Studierenden als Selbstkontrolle des gelernten Stoffes.

Zweitens: Studierende wollen Content, die Einbeziehung in die Wissensvermittlung und benötigen Feedback. Das geeignetste Werkzeug innerhalb der akademischen Ausbildung für Kompetenzerwerb ist m. E. die Präsentation von Projekten durch die Studierenden selbst. Studentische Projektarbeit generiert Teilkompetenzen, wie Selbstmanagement, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Loyalität, Disziplin, Projektmanagement, ergebnisorientiertes Handeln und ggf. Marktkenntnisse, alles Teilkompetenzen, die sich im Kompetenzatlas von Heyse und Erpenbeck wiederfinden (Erpenbeck, Sauter, 2013; Seite 35).

Gleich am Semesteranfang wird im Modul „Strategische Unternehmensführung“ das Projekt: „Unternehmensgründung“ in die Lernplattform der jeweiligen Hochschule (moodle) eingestellt. Darüber hinaus wird den Studierenden Zielstellung, Inhalte, Aufgabenstellung und Bewertung ihrer zu erbringenden Leistungen im Präsenzunterricht erklärt. Immer drei Studierende müssen hierfür zusammenarbeiten und die verschiedenen Inhalte, wie Finanzen, Marketing und Personal abdecken. Sie selbst stellen ihr Projekt während der Vorlesung dar, wobei die wissenschaftlichen Inhalte des Projektes vorgegeben werden, die letztliche Umsetzung obliegt allein den Studierenden. Illoyales Verhalten gegenüber ihren Mitstreitern wird unterbunden, schwerwiegende Fehler korrigiert, Feedback in Bezug auf verbales und nonverbales Auftreten gegeben. Genügend Raum für Diskussion mit ihren Kommilitonen im Präsenzunterricht ist eingeplant! Am Ende der Projektphase müssen die Studierenden ihre Arbeitsinhalte im Rahmen einer mündlichen Prüfung darlegen. Glänzende Augen und Stolz der Studierenden auf ihr Projekt ist der Lohn dieser aufwendigen Arbeit. Und oben beschriebene Kompetenzen werden so und nur so gefördert und entwickelt.
Die Studierenden müssen selbst benötigte Kompetenzen herausbilden. Wir sind aber aufgerufen, Bedingungen an den akademischen Einrichtungen zu schaffen, die dies ermöglicht.

Dabei muss Blended Learning eine wichtige Rolle spielen, wenn die bereitgestellten e-Learning Tools das Studium initiieren, aktivieren, motivieren, kontrollieren und organisieren helfen! Um dies zu gewährleisten, ist die Struktur der Lernplattform an den Hochschulen eingerichtet! „Thema 1“ nenne ich Einführung, wo die FAQ und die Einführungskapitel den Studierenden zur Verfügung gestellt werden, die Initialisierung. Aus „Thema 2“ wird Durchführen. Hier stehen alle Handouts kapitelweise geordnet, den Studierenden bereits vor Beginn der Vorlesung zur Verfügung. „Thema 3“ dient zur Motivation der Studierenden. Platz finden hier eigene Videos, selbsterstellte Experteninterviews in Form von Audiodateien und eigene Quizze. Aus „Thema 4“ wird das Kapitel Selbstkontrolle. Hier werden den Studierenden Prüfungsfragen auf die Lernplattform hochgeladen.

Foto von Dr. Hager: Präsentation einer fiktiven Firma-2019 an der HTW Berlin

6. Fazit

Die Wahrscheinlichkeit einer Kompetenzentwicklung Studierender ist um so größer, je größer die Eigenleistung der Studierenden innerhalb der akademischen Ausbildung ist!
Das schließt nicht nur die Vorstellung von praktischen Fallstudien im Präsenzunterricht ein, sondern vielmehr das eigene Handeln der Studierenden innerhalb der Vorlesungen. Dies spiegelt sich natürlich auch in den Prüfungsleistungen wieder! Nicht Klausuren und mündliche Prüfungen sollten m. E. die Prüfungsphasen dominieren, sondern Projektarbeit, Präsentationen und Praxis-berichte.  

Steht die Kompetenzentwicklung der Studierenden im Fokus des Studiums, benötigt man e-Learning Tools, die die Studierenden aktivieren, motivieren und kontrollieren sowie Projektarbeit, die Kompetenzentwicklung ermöglicht.
Im Studium werden den Studierenden Möglichkeiten an die Hand gegeben, das vermittelte Wissen durch eigene Erfahrungen, eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten einzeln und in der Gruppe zu verinnerlichen (Interiorisierung). Durch Emotionen und mittels intrinsicher Motivation festigt sich erlerntes Wissen der Studierenden zu Handlungsfähigkeit! Projektarbeit und e-Learning Tools, die initiieren, aktivieren, motivieren und kontrollieren ermöglichen studentische Kompetenzentwicklung, wie Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit, Loyalität, Selbstmanagement, Eigenverantwortung, ergebnisorientiertes Handeln, Kommunikations- und Teamfähigkeit. (Erpenbeck, Sauter, 2013, Seite XIII)

Das wir Hochschuldozenten praxisrelevante Kompetenzen Studierenden vermitteln, ist schlicht nicht möglich! Wissen als Basis von Handlungsfähigkeit lässt sich vermitteln. Kompetenzen müssen durch die Studierenden schon selbst entwickelt werden. Schaffen wir die notwendigen Voraussetzungen für studentische Kompetenzentwicklung!

Kompetenzentwicklung statt Bulimie-Lernen Teil 4 folgt!

Literaturverzeichnis:

  • Arnold, R., Erpenbeck, J., 2014. Wissen ist keine Kompetenz. 1. Auflage. Hohengehren: Schneider Verlag.
  • Belwe, A., Schutz, T.,2014. Smartphone geht vor- Wie Schulen und Hochschulen mit dem Aufmerksamkeitskiller umgehen können. 1. Auflage. Bern: Help Verlag AG.
  • Erpenbeck, J., Sauter, W., 2013. So werden wir lernen! Kompetenzentwicklung in einer Welt fühlender Computer, kluger Wolken und sinnsuchender Netze. 1. Auflage. Heidelberg: Springer Verlag Berlin.
  • Heyse, V., Erpenbeck, J., 2009. Kompetenztraining – Informations- und Trainingsprogramme. 2. Auflage. Stuttgart: Schäfer-Poeschel-Verlag.

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