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Die Mär von der Glücksformel

Immer wieder gibt es im Netz Artikel über das menschliche Glück, so auch im Focus Online vom 18.01.2019 von Hirnforscher Gerald Hüther. Er entwickelt folgende Glücksformel:

„Würde + Respekt + Wohlwollen = maximale Potentialentfaltung = Glück“


„Wahren Sie Ihre Würde und behandeln Sie andere würdevoll. Begegnen Sie Ihren Mitmenschen mit Respekt, Wohlwollen und auf Augenhöhe. Ermutigen Sie sich gegenseitig!“

Quelle: Hüther, G.: Hirnforscher entwickelt Glücksformel – dafür muss sich jeder zwei Fragen stellen. Focus online. Gesundheit. 18.01.2019

… und fertig ist Ihr Glück. Damit sind Sie und die Menschen um Sie herum glücklich.

Wow: Ich bin beeindruckt bezüglich obenstehender Triviallogik. Nun gibt es endlich eine Formel für dauerhaftes Glück, quasi so wie die Formel für Kraft = Masse x Beschleunigung (N).
Wenn man sich bei seinem leicht cholerischen Vorgesetzten würde und respektvoll sowie auf wohlwollender Augenhöhe dafür bedanke, dass er einen vor dem gesamten Team wiedermal als Sündenbock für die Fehler der Firma zur Schnecke gemacht hat, werden nicht Scham, Wut oder Angst empfunden, sondern pures Glück! Die einzige Bedingung ist, dass ich Herr über mich selbst bin.
Wie viele Arbeitnehmer sind Herr über sich selbst und stehen auf Augenhöhe mit dem Geschäftsführer und Inhaber der Firma? 
Diese Frage ist ziemlich einfach: Keiner, sonst wären sie keine Arbeitnehmer, sondern Arbeitgeber! Sie würden keinen Arbeitsvertrag und somit Gehalt erhalten, sondern an der Gewinn-ausschüttung partizipieren!
An welchen Gehirnen haben Sie, sehr geehrter Herr Hüther diese Fallstudie durchgeführt?

„Den Menschen muss es gut gehen, damit sie ihr Potential entfalten können… die Arbeitsleistung des Gehirns wird dadurch bestimmt, dass es ständig versucht, einen sogenannten kohärenten Zustand herzustellen…“

„Letztendlich leidet aber unsere Gesundheit: Denn wenn das Gehirn nicht mehr richtig arbeiten kann, kann es auch unseren Körper nicht mehr richtig versorgen. Die Folge: Krankheiten.“

„Termindruck, Überstunden, emotionaler Stress, schlechter Schlaf und einfach keine Zeit mehr für die Dinge, die man eigentlich tun möchte … Das alles tut weder uns, noch dem Gehirn oder unserem Körper gut. Das macht auf Dauer krank und unglücklich.“

(ebenda)

Lieber Herr Hüther, dass ist nun wirklich nicht neu. Jede Case Study zum Thema „Burnout“ wird diese Aussagen bestätigen! Und Ihre Fragen: „Was will ich für ein Mensch sein? Wozu will ich dieses Leben nutzen?“ führt nicht wirklich zu einer glücklichen Lösung.
Bringen wir ein wenig Ordnung in das Tohuwabohu!

Man liebt nicht mehr, was man tut und tut selten das, was man wirklich liebend gerne tun würde!

Man stürzt sich in die Arbeit, um die Anerkennung und Bestätigung zu erhalten, die man sich erträumt. Dafür nimmt man Überstunden, Schlafmangel, ungesunde Ernährung, Stress und Hetze liebend gerne in Kauf, nur um nach Jahren ernüchternd festzustellen, dass man den Luxusdienstwagen, das vierzehnte Monatsgehalt oder die Beförderung für das eigene Glück gar nicht braucht?
Also fang an und bringe Ordnung, Klarheit, Gesundheit und Leichtigkeit in Dein Leben! Wenn man ein glückliches Leben will, dann kremple Deine Ärmel hoch und fang an:
Beseitige vor allem die Quelle Deiner Ängste und Deines Leides. Beende unbefriedigende Beziehungen zu Menschen in Deinem Umfeld und suche Dir andere Arbeitsinhalte (oder eine andere Arbeit), ggf. kündige!
Hinweis: Beantworte folgende Frage: Was kann ich besonders gut? Wo liegt meine Begabung? Worin bin ich dadurch erfolgreich?
Beginne damit Dich selbst liebenswert zu finden und übernimm die Verantwortung für Deinen Körper, Deine Gefühle, Deinen Geist und Deine Seele.
Hinweis: Beantworte für Dich folgende Frage: Welche Sportart bringt meinen Körper ins Gleichgewicht? Wie viel Zeit nutze ich zur inneren Einkehr, zur Besinnung oder zur Reflexion? Was generiert nachhaltige Freude in mir und meiner Seele?
Übernimm die Verantwortung für Dein Leben, indem Du die Arbeit tust, die Sinnhaftigkeit schenkt, Leichtigkeit und Freude.
Selbstverständlich geht dies nur, wenn man sich im Klaren ist, was man besonders gut und erfolgreich kann. Wenn Du das weißt, dann suche Dir einen Arbeitgeber oder ggf. Auftraggeber, der genau diese Kompetenz und Fähigkeit benötigt.

Man fühlt sich überfordert, weil jeder etwas von einem will!

Kümmere Dich endlich um Deine eigenen Angelegenheiten! Nimm Dir genügend Zeit und vor allem Ruhe für Dich selbst.
Hinweis: Beantworte folgende Frage: Was hilft mir zur inneren Einkehr bzw. zur Besinnung zu kommen und führt zu innerem Frieden?
Meditation? Yoga? Gebet? Spaziergänge in der Natur? Gespräche mit Freunden? Musik?
Nimm Dir die dafür benötigte Zeit, denn sie ist gut angelegt! Nur wenn man selbst ausgeruht ist, sich das Gehirn in kohärentem Zustand (heißt übrigens in Harmonie!) befindet, generiert man für die Ehepartner, Kinder, Familienmitglieder oder Freunde einen wirklichen und nachhaltigen Nutzen! Und an dieser Stelle bin ich das erste Mal einer Meinung mit Prof. G. Hüther.

Es ist niemals genug!

Ja, ich kenne all die Selbstoptimierer, ultra-high Performer und Goldgräber und deren Leitsatz:“It´s never enough“. Wenn man zu diesen fünf Prozent der Menschheit gehören möchte, genügen eine Villa am Stadtrand, noch ein extravaganter Geschäftswagen in Verbindung mit einem Luxusauto für die Gattin einfach nicht! Da müssen schon noch Ferienwohnungen auf Rügen oder Sylt-selbstverständlich in erster Reihe-, ein Ferienhaus an der Müritz und eines am Gardasee, weil da der Sommer viel länger ist, her. Und weil das alles am Wasser liegt, benötigt man noch dringend eine Segeljacht sowie bei Windstille ein Motorboot, schön groß und luxuriös. Nun will man ja nicht die ganze Zeit in seinen Ferienwohnungen „abhängen“, die sollen ja rentierliche Einnahmen mittels Gästen generieren. Also muss ein eigener Wohnwagen für die Urlaube angeschafft werden, ebenfalls groß und mit allem ausgestattet. Und nun, da man alles hat – Sorry die Harley fehlt noch – muss man es ja auch zeigen. Schließlich definiert man sich ja über seinen Besitz. Und dann trifft man auf einen auf Augenhöhe, mit dem man genüsslich über all die Last der Finanzämter frei reden kann. Und das macht glücklich? Vielleicht? Auf jeden Fall stolz, schließlich gehört man nicht zu den 95 Prozent Losern, die zur Miete wohnen und ihr Geld mit einfacher Arbeit verdienen.

Glück benötigt Aufmerksamkeit, Behutsamkeit und Dankbarkeit, da es sich schnell und meist unbemerkt davonstiehlt.
Glück hat so gar nichts mit einer Formel zu tun, aber sehr wohl damit ob ich mich mit meinem Körper, meinen Gedanken (Gehirn), mit meiner Seele in Harmonie befinde.
Ist das durch Ängste, Wut, Ärger, Stress und vieles andere mehr nicht der Fall, dann empfinde ich alltägliche Dinge, wie einen schönen Sonnenaufgang am Meer, ein edles Dinner für Zwei, eine überraschende Begegnung mit Freunden oder den ersten Schluck Kaffee auf der sonnendurchfluteten Terrasse eben nicht als Glück.
Erst wenn ich die Gründe und Ursachen für meinen inneren Unfrieden, meinen Zorn, meine Angst, meine Hoffnungslosigkeit oder meine Lieblosigkeit erkannt und eliminiert habe, bleibt Raum und Zeit für Glück.
Und macht Besitz nun glücklich? Nicht automatisch! Eigentum verpflichtet, es will repariert und gepflegt sein. Wenn also der Fokus ausschließlich auf der Jagd nach mehr und noch mehr und noch viel, viel mehr liegt, bleibt keine Zeit für Glück.

P.S.: Mir selbst hilft der Glaube und das Gebet, um im inneren Einklang mit Frieden, Liebe, Hoffnung und Demut zu sein!

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